Die unregelmäßige Kolumne (VIII): Werbung und AdBlocker

Liebe Leser,

anscheinend gibt es ja derzeit wieder einmal einen großen Aufschrei in der Netzgemeinde. Spiegel Online, sueddeutsche.de, faz.net, zeit.de, golem.de und RPOnline weisen darauf hin, dass sie Geld mit Werbung verdienen und sich wünschen würden, dass die Konsumenten auf AdBlocker verzichten. Dieser Hinweis wird aber nicht bei allen Usern angezeigt, sondern nur bei Nutzern, die einen Adblocker aktiv einsetzen.

Die Maßnahme ist verständlich. Immerhin sind die Webseiten darauf ausgelegt, dass sie sich durch Werbung finanzieren. Dafür sind sie für die Besucher kostenlos. Ich persönlich finde das eigentlich gut. Dadurch habe ich die Möglichkeit Zeitungen zu lesen, die ich mir nie am Kiosk kaufen würde. Dafür nehme ich die Werbung – auch wenn sie unangenehm ist – in Kauf. Für Medien und Dienste, die mir gut gefallen, gebe ich auch gerne Geld aus. So kaufe ich mir zum Beispiel “Le Monde Diplomatique” so gut wie jeden Monat online. Von der jungen Welt habe ich sogar ein Online-Abo.

Ich kann mir vorstellen, dass dies nur die erste Maßnahme von den Verlegern ist. Wenn die Einnahmen durch Werbeblocker sinken würden, werden sie ganz einfach diese User aussperren. Für die Verlage wäre das kein großer Verlust. Eine andere Möglichkeit wäre, dass die Internet-Provider Medienpakete anbieten würden. Man bekommt mit einer monatlichen Pauschale auch Zugriff auf diverse Medien. Das würde auch gut zu den Drosselungsplänen der Deutschen Telekom passen. Es wäre eine Aufteilung zwischen drei Segmenten der Nachrichten-Webseiten. Das Vorbild wäre das Fernsehen. Es gibt kostenlose Webseiten mit viel Werbung (Free-TV RTL oder CBS), Medien mit wenig Werbung, die es in Pauschal-Paketen der Telekom-Unternehmen gibt (Basic Cable wie TBS) und dann Premium-Webseiten, die ein extra Abo verlangen (Pay TV wie HBO).

Ich denke nicht, dass diese Entwicklung gut ist, aber ich befürchte, dass dies die Zukunft sein wird. In der derzeitigen wirtschaftlichen Ordnung sehe ich keine praktikable Alternative. Ich jedenfalls nutze einen AdBlocker in den seltesten Fällen. Ich setze aber so gut wie bei jeder Webseite die Browser-Erweiterung Disconnect. So werden die Tracking-Dienste geblockt. Dieses Addon gibt es für Firefox und Chrome. Ich würde aber in diesem Fall Firefox empfehlen. Es wäre doch etwas absurd einen Anti-Tracking-Dienst oder gar einen AdBlocker mit einem Browser zu nutzen, der vom größten Werbeanbieter im Netz finanziert wird. Obwohl: Firefox wird ja grundsätzlich auch von Google finanziert…

Vielen Dank fürs Lesen!