Lesen: Hundert Stunden mit Fidel

Im Jahr 2006, im Jahr in dem Fidel Castro erkrankte und die Amtsgeschäfte niederlegte, erschien seine Autobiografie in Form eines Interviews, welches im Gespräch mit dem spanischen Journalist Ignacio Ramonet entstanden ist. 2008 wurde die deutschsprachige Version veröffentlicht.

In dem 800 Seiten starken Buch erfährt man Fidels persönliche Sicht und Interpretation der jüngeren kubanischen Geschichte und somit ein Einblick in sein Lebenswerk. Es werden auch keine kritischen Themen ausgespart. So befragt Ignacio Ramonet den Comandante über die sogenannten Dissidenten, über Auswanderung und andere Themen, die in den Augen bürgerlichen Journalisten in Kuba heikel sind. Über Fidel Castros Privatleben erfährt man nicht viel. Über seine Kindheit berichtet er zwar ausführlich, aber über sein späteres Leben nicht.

Das Buch ist für alle Kuba Interessierte ein Muss. Es liefert einen schönen Überblick über Fidel Castros Leben und seine Visionen. Der alte Herr spricht auch von seinen Zukunftsvorstellungen über Kuba, welche die Diskussionen und “Reformen” Raul Castros eigentlich vorwegnahmen.

Trotz der Länge der Biografie ist sie für mich zu wenig detailreich. Viele wichtige Ereignisse werden, meiner Meinung nach, zu kurz besprochen. Man kann sagen, dass es eine komprimierte Fassung von Fidels Leben ist. Eine ausführliche Biografie würde wahrscheinlich mehrere Bände füllen.

Es besteht aber die Möglichkeit, dass noch eine Autobiografie erscheint, welche umfangreicher ist. In einem Artikel für die kubanischen Medien, welcher am 2. März 2008 verfasst wurde, meinte Fidel Castro: “Während ich diese Zeilen am Sonntagnachmittag formuliere, wiederhole ich die Idee, Memoiren zu schreiben, wenn die Zeit es mir erlaubt. Wenn sich jemand findet, der dafür zahlen würde, würde ich diesen Fond dem Druck in Kuba von Lehrbüchern für unsere Fachleute des Gesundheitswesens widmen.”

Weiterführende Links:

Lernen Sie Geschichte, Herr Reporter!

Es ist verblüffend, dass der venezolanische Präsident Hugo Chávez anscheinend mehr Ahnung von der deutschen Geschichte hat, als sämtliche deutschsprachigen Medien und Nachrichtenagenturen.

Nachdem die deutsche Kanzlerin Angelika Merkel (CDU) in einem dpa-Interview einen Frontalangriff gegen Venezuela gestartet hat und die Staatschefs Lateinamerikas aufforderte Venezuela zu isolieren, ließ Hugo Chávez die deutsche Kanzlerin wissen, dass er sich nicht den Mund verbieten lässt.

Dabei erwähnte der venezolanische Präsident auch, dass Angela Merkel derselben Rechten angehöre, die Hitler und den Faschismus unterstützt hat. Diese Aussage brachte viele Medien dazu gegen Chávez zu wettern und zu behaupten, dass er Merkel mit Hitler vergleiche.

Auch der österreichische Bundeskanzler Alfred Gusenbauer meinte, dass die Aussage des venezolanischen Präsidenten “inhaltlich, sachlich und historisch unvertretbar” sei. Was würde wohl Gusenbauers Idol Bruno Kreisky über die Äußerungen des derzeitigen österreichischen Bundeskanzlers sagen? Höchst wahrscheinlich: “Lernen Sie Geschichte, Herr Bundeskanzler!” Denn Chávez’ Beschreibung ist historisch vollkommen korrekt.

Ein kleiner Blick in ein Lexikon verrät, dass Unterstützer Hitlers oft aus dem Rechtskonservativen-Lager kamen. So stimmte die Deutsche Zentrumspartei für Hitlers Ermächtigungsgesetz und ebnete somit den Weg für die Nazi-Diktatur. Die CDU, welche nach der Diktatur gegründet wurde, bestand im Wesentlichen aus ehemaligen Mitgliedern der Zentrumspartei (u.a. Konrad Adenauer). Auch ehemalige NSDAP-Mitglieder wie zum Beispiel Kurt Georg Kiesinger und Hans Filbinger wurden in die CDU eingebunden.

Bis heute unterstützt die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung die extreme Rechte in Venezuela und Lateinamerika. Beim Putsch 2002 in Venezuela gegen den Staatspräsidenten Hugo Chávez spielte die rechtspopulistische Partei Primero Justicia eine nicht unwesentliche Rolle. Diese Partei wurde und wird weiterhin von der Konrad-Adenauer-Stiftung gestützt.

In den Mainstream-Medien wird man wohl nie die ganze Wahrheit über die Worte des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez finden, ebensowenig wie man neutrale Informationen über Venezuela erhalten wird.

Mit dem gleichen Problem schlägt sich Kuba nun schon seit fast 50 Jahren herum. Fidel Castro fasste die Medienmanipulationen am 04.12.1971 so zusammen: “Die Geschichte unserer Länder schreiben andere Länder. Die Geschichte der kubanischen Revolution ist von internationalen Agenturen im Dienst der Monopole geschrieben worden.”

Weiterführende Artikel:

McCain ist auf Fidel beleidigt

Der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain wünschte Fidel Castro am Freitag bei einer Ansprache den Tod. Anscheinend fühlt sich McCain von einem fünfteiligen Artikel verletzt, den der Comandante schrieb.

Aber wenn man es genau nimmt, ist der US-Amerikaner gerade einmal 10 Jahre jünger als der Kubaner. Es kann gut möglich sein, dass McCain sich schon lange mit Ronald Reagan Rambo I bis IV anschaut, bevor sich Fidel zu Marx gesellt und die beiden über eine bessere Welt diskutieren können.