Es ist verblüffend, dass der venezolanische Präsident Hugo Chávez anscheinend mehr Ahnung von der deutschen Geschichte hat, als sämtliche deutschsprachigen Medien und Nachrichtenagenturen.
Nachdem die deutsche Kanzlerin Angelika Merkel (CDU) in einem dpa-Interview einen Frontalangriff gegen Venezuela gestartet hat und die Staatschefs Lateinamerikas aufforderte Venezuela zu isolieren, ließ Hugo Chávez die deutsche Kanzlerin wissen, dass er sich nicht den Mund verbieten lässt.
Dabei erwähnte der venezolanische Präsident auch, dass Angela Merkel derselben Rechten angehöre, die Hitler und den Faschismus unterstützt hat. Diese Aussage brachte viele Medien dazu gegen Chávez zu wettern und zu behaupten, dass er Merkel mit Hitler vergleiche.
Auch der österreichische Bundeskanzler Alfred Gusenbauer meinte, dass die Aussage des venezolanischen Präsidenten “inhaltlich, sachlich und historisch unvertretbar” sei. Was würde wohl Gusenbauers Idol Bruno Kreisky über die Äußerungen des derzeitigen österreichischen Bundeskanzlers sagen? Höchst wahrscheinlich: “Lernen Sie Geschichte, Herr Bundeskanzler!” Denn Chávez’ Beschreibung ist historisch vollkommen korrekt.
Ein kleiner Blick in ein Lexikon verrät, dass Unterstützer Hitlers oft aus dem Rechtskonservativen-Lager kamen. So stimmte die Deutsche Zentrumspartei für Hitlers Ermächtigungsgesetz und ebnete somit den Weg für die Nazi-Diktatur. Die CDU, welche nach der Diktatur gegründet wurde, bestand im Wesentlichen aus ehemaligen Mitgliedern der Zentrumspartei (u.a. Konrad Adenauer). Auch ehemalige NSDAP-Mitglieder wie zum Beispiel Kurt Georg Kiesinger und Hans Filbinger wurden in die CDU eingebunden.
Bis heute unterstützt die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung die extreme Rechte in Venezuela und Lateinamerika. Beim Putsch 2002 in Venezuela gegen den Staatspräsidenten Hugo Chávez spielte die rechtspopulistische Partei Primero Justicia eine nicht unwesentliche Rolle. Diese Partei wurde und wird weiterhin von der Konrad-Adenauer-Stiftung gestützt.
In den Mainstream-Medien wird man wohl nie die ganze Wahrheit über die Worte des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez finden, ebensowenig wie man neutrale Informationen über Venezuela erhalten wird.
Mit dem gleichen Problem schlägt sich Kuba nun schon seit fast 50 Jahren herum. Fidel Castro fasste die Medienmanipulationen am 04.12.1971 so zusammen: “Die Geschichte unserer Länder schreiben andere Länder. Die Geschichte der kubanischen Revolution ist von internationalen Agenturen im Dienst der Monopole geschrieben worden.”
Weiterführende Artikel:
- Deutsche Medien: Wollt Ihr den definitiven Hitler-Vergleich?
- Aló Presidente: Chávez spricht über Lula, Merkel und Europa
- Caracas: Merkel versucht zu spalten
- CDU baut an ideologischer Mauer durch Lateinamerika
- CDU-Stiftung in Venezuela: Unterstützung für Putschisten?
- Konrad-Adenauer-Stiftung macht Front gegen “zunehmenden Populismus” in Lateinamerika








(10 Stimmen)

Ich möchte hier etwas klarstellen. Man darf nie vergessen dass Herr Chávez ein Kommunist ist. Erfahrungsgemäß sind alle Kommunisten Feinde der US-amerikanischen Regierung. Da Frau Merkel sehr gute Beziehungen zu Herrn Bush hat, ist sie natürlich auf seiner Seite.
Es ist falsch die Primero Justicia als rechtsextremistische Partei darzustellen! Die Primero Justicia ist eine rechtsliberale Partei, vergleichbar mit der CDU / CSU. Deswegen wird sie auch von der CDU unterstützt. Aber nur zu Erinnerung: Insbesondere Kommunisten unterstützen sich gerne gegenseitig.
Es ist nicht sehr klug von Ihnen gewesen, Artikel aus der Zeitung “junge Welt” unter “Weiterführende Artikel” aufzulisten. Schließlich ist die “junge Welt” eine marxistisch-leninistisch ausgerichtete Zeitung, die vom deutschen Verfassungsschutz beobachtet wird (der Chefredakteur war IM bei der Stasi). Auf wessen Seite die wohl stehen wird?
In der von Ihnen verlinkten Übersetzung von Chávez’ Rede steht:
“Da wir gerade von Deutschland sprechen: die deutsche Kanzlerin, die der deutschen Rechten angehört, (trinkt einen Schluck Wasser) derselben Rechten die Hitler unterstützte und den Faschismus, sie ist heute die Kanzlerin von Deutschland”
Also wenn ich das richtig verstanden habe, hat Chávez Merkel zwar nicht mit Hitler verglichen, aber er hat indirekt behauptet Frau Merkel wäre ein Nazi, da er sagte sie gehöre derselben Rechten an, die Hitler und den Faschismus unterstützte.
Und das mit Filbinger, Kiesinger, Lübke und Co. ist auch einfach zu erklären: Natürlich lag den Besatzungsmächten viel daran Deutschland zu entnazifizieren. Aber viele blieben dennoch unentdeckt und ihre NS-Vergangenheit kam erst Jahrzehnte später heraus.
Und falls Sie es wissen wolle: Ja, ich bin selbst Sozialist! Ich habe übrigens auch für die neue Rubrik “Ernsthaftigkeiten” gestimmt, aber mir war nicht bewusst, dass diese sich auf Bild-Zeitungsniveau befinden würden Also in diesem Sinne: Lernen Sie Ernsthaftigkeiten zu schreiben, Herr Sowka!
Hugo Chávez hat schon des öfteren klar gemacht, dass er kein Kommunist ist. Er ist Sozialist und Bolivarist. Er hat bei einer Rede auch erwähnt, dass er Marx für überholt hält.
Primero Justicia ist eine rechtspopulistische Partei, die in einen Putsch verwickelt war. Die ersten Manöver der Putschregierung zeigten, dass die Putschisten vor hatten eine Diktatur nach dem Vorbild Chile unter Pinochet aufzubauen. Für mich ist so etwas schon extrem…
Dass die junge Welt vom Verfassungsschutz beobachtet wird ist mir bekannt und es ist ein Skandal. Wie der Jahresbericht 2007 des Verfassungsschutz zeigt wird nicht nur die junge Welt, sondern auch andere linke Organisationen überwacht. Die junge Welt ist übrigens nicht “marxistisch-leninistisch” ausgerichtet, sondern lediglich marxistisch orientiert. Und die Berichterstattung über Lateinamerika ist in dieser Tageszeitung vorbildlich. Ich lese verschiedene Zeitungen zu diesem Thema, aber die junge Welt berichtet stets am ausführlichsten über Lateinamerika,
Und wie schon im Artikel beschrieben hat Chávez nicht behauptet, dass sie ein Nazi ist, sondern sie aus einer politischen Strömung kommt, die in der Vergangenheit den Faschismus unterstützt hat. Damit gemeint ist eindeutig die Zentrumspartei. Diese Partei hat dem Ermächtigungsgesetz der NSDAP zugestimmt und somit den Weg für die schreckliche Nazi-Diktatur geebnet.
“Lernen Sie Ernsthaftigkeiten zu schreiben, Herr Sowka!”
Der Artikel basiert auf Fakten und ist aus diesem Grund auch Ernsthaft!
Ich fand den Artikel durchaus ernstahft und bei weitem nicht auf BILD-Niveau geschrieben! (Nur zur Aufmunterung)
Allerdings finde ich, ein wenig verstehe ich Kevin also, dass ein Vergleich wie ihn Hr. Chavez gezogen hat auf nichts anderes hinausläuft, als auf einen Vergleich zwischen Fr. Merkel und Hr. Hitler. Insofern auch ziemlich blödsinnig!
Selbst wenn es (zugespitzt) kein Vergleich sein soll, ist es einfach vollkommen unnötig sich auf 2WK-Geschichte zu berufen um den Gegenspieler einfach durch name-dropping zu verunglimpfen. Da würde mir bei Fr. Merkel sicherlich Besseres einfallen…
Gegenbeispiel: Wenn die FPÖ behauptet sie habe stehe in direkter Linie der Tradition der Revolution 1848 ist das genau so lächerlich…
Aber bei Jemandem der Hrn. Bush als Satan bezeichnet, kann man auch einen Vergleich (oder meinetwegen ein “In Verbindung bringen”) Merkel-Hitler hinnehmen. Insofern ist die Deutsche Dame eh besser weggekommen!
-Ich spiel nicht mit bei diesem Spiel, bei dem sich jeder als Sozialist oder Nicht.Sozialist outen muss-
mfg, g.
Natürlich war die Äußerung von Hugo Chávez überspitzt, aber das war eine kalkulierte Provokation. Die rechtskonservativen Kräfte in Europa kämpfen auf alle Fronten gegen linke, progressive Strömungen und eines der neusten Manöver war, dass Venezuela von den anderen lateinamerikanischen Staaten isoliert werden sollte.
Ein interessantes Kommentar über die Äußerungen vom venezolanischen Präsidenten schrieb Gerhard Dilger in der taz.
uebel ist nur zuzustimmen! das zeigte sich beim besuch von merkel beim rechtsextremisten uribe. während merkel seine politik lobte, marschierte die kolumbianische armee wieder in ein nachbarland ein, diesmal nach venezuela. und wieder dementieren sie. dies war schon anfang märz so, nachdem sie in ecuador ihren krieg trugen.
chavez hatte recht, die bürgerlichen medien haben jedoch seine aussage so dargestellt, dass sie in ihr chavez-bild passt.
Die meisten bürgerlichen Medien sind sowieso nicht zu verstehen. Uribe, der durch Bestechung eine weitere Kandidatur für das Amt des Präsidenten bekommen hat, ist ein Demokrat. Hugo Chávez, der eine Verfassungsreform machen wollte und über die Verfassung abstimmen ließ ist ein Diktator…
Apropos Uribe?
Es ist schon fast lustig zuzusehen, wie unsere Medien Uribes Verbindungen zu Drogen-Dealern und Terroristen ignorieren, um sie statt dessen Chavez anzuhängen. Seinerzeit ein guter Freund vom seligen Pablo Escobar, gesegnet mit einem Poizeichef, dessen Bruder in Deutschland wegen Kokain-Einfuhr einsitzt und mit zahlreichen belgten Verbindungen zu den Paras.
Gute Links zur Uribes Politik:
Kolumbiens unheimliche Allianz
Kolumbien schiebt unbequeme Paramilitärs in die USA ab
Kolumbien: Gekaufte Wiederwahl?
Uribes Verstrickungen mit den ultrarechten paramilitärischen Milizen
Einige Cartoons