Es ist nur Satire, Schätzchen!
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King Without a Crown

16. Januar 2005 | 13:12

Von Sascha M. Dornhöfer

Neulich wurde ich zwecks sozialen Abstiegs bei der Agentur für Arbeit vorstellig – in der Anmeldung des Zuständigkeitsbereichs Naturwissenschaften und Medizin.
Vor mir in der Schlange hielt ein ungeduldiger aber gepflegter älterer Mann die Empfangsdame ordentlich auf Trab. Mann könne wenn man wolle die Aufnahmeprozedur durchaus vereinfachen, er hätte weißgott wichtigeres zu tun und gegessen hätte er auch noch nichts. All das prallte an der Dame routiniert ab und nach einer Weile übergab sie dem Herrn freundlich ein Formular mit den Worten „So Herr
Dr. Schmidt! Das füllen Sie jetzt bitte aus und setzen sie sich in den Wartebereich, bis Sie aufgerufen werden.“ Vollkommen entrüstet entgegnete unser Mann lauthals: Prof. Schmidt, Prof. Schmidt, das muss Ihnen doch wohl klar sein gute Frau!“ Was er nach dieser Feststellung sicher nicht erwartet hatte, war das leichte Schmunzeln der freundlichen Dame, dem keine Entschuldigung folgte sondern ein „Der nächste bitte.“ Der nächste war ich, aber mein Vorgänger versperrte mir trotzig den Weg – für ihn war die Sache offenbar noch nicht erledigt. Ich hatte zwar gut gegessen und hatte nichts besonderes vor, bat den Mann aber dennoch freundlich doch bitte beiseite zu treten.
Mit folgendem Wortlaut: „Lieber Dr. Schmidt, seien Sie doch bitte so freundlich und tun was die Dame Ihnen gesagt hat. Die anderen Akademiker möchten sich auch arbeitslos melden.“ Nach langem Schweigen und tiefem Einatmen antworte er nur: „Prof. Schmidt!!!“ Auf meine betont neugierige Frage an welchem Lehrstuhl er denn lehre erntete ich schließlich den wohl hasserfülltesten Blick aller Zeiten. Dr. Schmidt jedenfalls ging dann wortlos in den Wartebereich und am Empfang herrschte eine Bombenstimmung.

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Dunstwürfel im Tal der künstlichen Lust von Etzenhammer

22. September 2004 | 17:11

Mit einem großen Knall ging es zu Ende, das große Brettspiel-Event “Federball 2004″ in Niederbeuren/Saar. Die Deckenbeleuchtung der Mehrzweckhalle “Satan 1.0″ implodierte und es regnete feuchte Scherben auf die Teilnehmer. Darunter auch so schillernde Figuren wie Wasti LeBlanc, fünfmaliger Weltmeister im Extrem-Mühle, oder Reginald Cockring, der immerhin auf Platz zwei im Downhill-Halma landete. Cockring lag nach einer 12:5 Führung urplötzlich hinten, nachdem ihm der erst 29 Jahre alte Grenzi Oberheim mit einem Skat-Manöver wichtige Mittelfeld-Flanken aus der Kajüte nahm. Doch eisenharte Nerven und eine Lunge aus Metall bescherten dem Favoriten Cockring doch noch den glücklichen Sieg und eine Reise nach Berlin/Mittelfranken.

Interessant auch wieder die Doppelkombinationen. Hier bestachen vor allem Sittering/Mehldorf und Jautze/Hahnkrüppel im harten Cross-Schach-Duell unter freiem Himmel. Auch gewachste Kanten halfen dem ehemaligen Kunstturner Copony Hahnkrüppel nicht gegen die glasierte Übermacht eines Mehldorf (2580 ELO) oder eben des All-Time-Favoriten Schmitte Sittering, der schon 1998 im Solo-Malefiz mit einem Score von 23 neue Maßstäbe setzte. Die Ränge tobten als schließlich im Final-Spiel Arne Kompost und Mareike Renato im Frontal-Yatzee aufeinandertrafen. Nachdem die Gegner ihre Fleischhelme ordnungsgemäß auf die Köpfe rangiert hatten, wurde es heiß in der
Würfel-Arena: Renato durfte als erster ran und würfelte sogleich eine 8000 (es handelt sich um Spezialwürfel mit mehreren Kanten), gewann das Spiel souverän und durfte seinen Gegner sogar noch anal penetrieren.

Und so verliessen etwa zweihundert glückliche Besucher das Porno-Spektakel. Nächstes Jahr wird es laut Veranstalter noch mehr Highlights geben: im Gespräch sind Simultan-Canaster und Zwerg-Monopoly sowie Free-Solo-Twister und, als besonderes Schmankerl, Outdoor-Mahjong.

Link: Lyrik 2000

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Gastbeiträge

Momente des Helfens

14. Juli 2004 | 13:14

Von Trost 

Es war wohl um die Jahrhundertwende, da ging es mir nicht besonders gut. Es war vielleicht der Tiefpunkt meines Lebens. Ich hatte nichts, kein Geld, keine Frau, keine Wohnung und keinen Mann. Vom Hund gar nicht zu sprechen und auch die Katze im Sack war fort, sie hatte sogar den Sack mitgenommen. Einfach nichts, gar nichts, nicht einmal Haare. Ich lebte zurückgezogen in einem Männerwohnheim in der Meldemannstrasse und sah in meiner Existenz keinen Sinn mehr.
In dieser Krise traf ich dann einen Mann den alle Ali oder Adi nannten. Ein unbegabter junger Postkartenmaler der mir begeistert von seinem gerade gelesenen Buch “die Macht der Massen” erzählte. Ich begann seinen Schnurrbart zu kämmen. Zuerst ganz leicht dann immer stärker bis der Schnurrbart an den Seiten abfiel. Sein Problem war klar, er war zu gut für diese böse, kalte Welt. Er war wie ein Sohn, für den alten Herrn in der Ecke hinter mir. Und auch ich war wie ein Sohn für diese alte senile Sau. Der verwirrte alte Mann, der ein schwebendes Dreieck mit einem Auge in der Mitte über seiner Stirn trug, nannte alle Söhne. Dann spritzte man ihn nieder, und das mit Recht, denn er wollte den kleinen Adi einreden Krankenpfleger zu werden. Er hatte ihn schon so weit, dass er die Pflegeschule besuchte, und es machte ihn sogar Spaß, doch ich brachte diesen angeschwulten Zukunftskrankenpfleger wieder auf den richtigen männlichen Weg. Er solle selbstbewusster sein, sich Ziele setzen, und seine Zukunft in Form eines Tagebuches visualisieren, redete ich ihm zu.
Der schwule Krankenpfleger (Ali oder so) und ich hatten keine reelle Chance aus diesem Rattenloch entfliehen zu können. Das Loch hatte nämlich nur einen Durchmesser von 8 cm und diesem winzig kleinen Ausgang steckte schon seit Jahren das Skelett einer toten Ratte. Zum Glück war in diesem Männerwohnheim auch eine Türe, die mich in die Freiheit führen konnte!
Es war ein trauriger Abschied. Der senile Sack weinte und sprach von mir als sei ich sein verlorener Sohn. Und auch Ali winkte mir mit der rechten Hand zum Abschied. Was wohl aus ihm geworden ist? Vielleicht hat er den letzten Ratschlag von mir “er solle nicht immer an die anderen denken” ernst genommen und ist Tischler geworden.

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Ich brauch mal Ruhe

29. Dezember 2003 | 13:11

von Lars Golenia

Mit diesem Stück möchte ich ein Problem ansprechen, dass ihr alle bestimmt kennt und eine Situation beschreiben, die ihr alle bestimmt schon zur Genüge erlebt habt. Wenn dem nicht so ist, dann mache ich mich halt zum Trottel, aber das macht nichts, denn das ist ja nichts Neues für mich.

Szene 1

Ein Zimmer mit Sofa mit zwei Kissen, einem Kleiderständer und einem Schreibtisch mit einem Radio, einem Handy und eine leere Tasse darauf. Es herrscht Stille und das Zimmer ist dunkel
LARS tritt ein.
Er schaltet das Licht im Zimmer ein.
Er zieht seine Jacke aus und hängt sie auf den Kleiderständer. Dann zieht er einen CD-Player aus der Jacke und legt ihn auf den Schreibtisch. Er öffnet den CD-Player und entnimmt ihm eine CD.

LARS: So, dann wollen wir mal.

Er öffnet das CD-Fach des Radios und legt die CD ein. Er schaltet das Radio ein. Ruhige, mittelalterliche Musik ertönt.

LARS: Ja!

Er schmeißt sich schwungvoll auf das Sofa, verschränkt dann die Arme hinter dem Kopf und atmet tief aus.
Kurze Pause.
Dann dreht er sich auf die Seite, das Gesicht zum Publikum, legt sich die Hände gefaltet unter die Wange und atmet erneut tief aus.
Kurze Pause.
LARS richtet sich auf und blickt das Radio für eine kurze Zeit an. Er steht auf und geht zum Schreibtisch. Er beugt sich über das Radio und drückt einen Knopf. Das Lied bricht ab und das nächste beginnt. Es klingt dem ersten nicht unähnlich.

LARS: Schon besser.

Er läuft wieder zum Sofa und wirft sich erneut mit Schwung darauf.
Er atmet wider tief aus.
Kurze Pause.
Dann richtet er sich auf und blickt erneut Richtung Schreibtisch.
Er erhebt sich und geht langsam zum Schreibtisch.
Er ergreift die Tasse und blickt hinein. Sie ist leer.

LARS: Mist!

Er läuft zurück zum Bett und setzt sich darauf. Er blickt nach vorne.
Kurze Pause.
Dann legt er sich auf den Rücken, die Hände an die Seite und atmet erneut tief durch.
Kurze Pause.
LARS hustet.
Kurze Pause.
Er rümpft sich die Nase und streicht sich mit den Händen über das Kinn.
Kurze Pause.
Er räuspert sich.
Kurze Pause.
Dann dreht er sich zur Seite, den Rücken zum Publikum. Das Gesicht liegt auf seinen Armen.
Kurze Pause.
Das zweite Lied endet und ein weiteres mittelalterliches Lied erklingt, diesmal aber mit schnellerem Takt.
LARS setzt sich auf und blickt das Radio an.
Dann schüttelt er den Kopf und geht in Richtung Schreibtisch.
Er beugt sich über das Radio, drück zweimal auf den Knopf von vorhin. Das erste Lied ertönt.
Langsam dreht er sich um, läuft zurück zum Sofa.
Er lässt sich auf das Sofa fallen und seufzt.
Kurze Pause.
Er rückt seinen Körper zurecht und räuspert sich.
Kurze Pause.
Dann setzt er sich auf und nimmt sich ein Kissen von der anderen Seite des Sofas. Er legt es sich unter seinen Kopf und lässt sich darauf fallen, wobei er erneut tief durchatmet.
Kurze Pause.
LARS hebt seinen Oberkörper, dreht sich um, klopft das Kissen aus und legt es sich zurecht. Dann dreht er sich wieder um und lässt seinen Kopf auf das Kissen fallen. Er atmet tief durch.
Kurze Pause.

LARS: Ach, diese Ruhe.

Kurze Pause.
Das Handy klingelt.
LARS hebt seinen Oberkörper und blickt in Richtung Schreibtisch.
Kurze Pause.
Das Handy klingelt erneut.
LARS steht auf und geht zum Schreibtisch. Nach einem kurzen Blick auf das Handy nimmt er es und geht zurück zum Sofa. Er lässt sich mit einen tiefen Seufzer darauf fallen. Er drückt einen Knopf auf dem Handy und hält es sich ans Ohr.

LARS: Hallo? - Ach ja, Grüß dich. - Ja, ich denke schon. - Nein, ich entspanne mich grade ein wenig. - Ja, kann ich machen. - Und wann?

Kurze Pause.

LARS: Na schön, ich bin unterwegs.

LARS legt auf.
Dann erhebt er sich und läuft zum Schreibtisch. Er legt das Handy neben die leere Tasse. Dann öffnet er das CD-Fach des Radios, worauf die Musik abrupt endet. Er entnimmt ihr die CD und legt sie in seinen Tragbaren CD-Player. Diesen nimmt er und geht zum Kleiderständer.
Er steckt den CD-Player in seine Jacke, nimmt diese von Kleiderständer und zieht sich an.

LARS: Immer dies Hektik!

Er schaltet das Licht aus und verlässt das Zimmer.

ENDE

IDEE und DREHBUCH: Lars Golenia
INSZENIERUNG: ???

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