Mrz
14
2005

Hoch lebe der Präsident

„Juhuuu! Ich hab im Lotto gewonnen! Ach, halt! Das war mein HIV-Test und der ist positiv. Ich nehme den Enthusiasmus von vorhin wieder zurück. Ich hätte bei den Blutkonserven wirklich nicht sparen dürfen. Aber warum teures Blut kaufen wenn es bei Lidl gerade so ein Schnäppchen aus Botswana gibt?

Aber was soll’s? Ich weiß ja ohnehin nicht ob ich die Wahl für meine zweite Legislaturperiode als Präsident schaffen würde. Sitz ich halt die erste einmal ab und schaue was sich dann ergibt“ schallt es aus dem Fernsehgerät vor dem wir alle unausgeschlafen hängen. Eigentlich hätte uns die Neujahrsansprache des Bundespräsidenten überraschen sollen, jedoch seit er am vorhergegangenen Nationalfeiertag live im TV auf unsere Flagge onaniert hat trauen wir ihm alles zu.
Aber das Volk ist zufrieden mit dem „Spitzbuben der Nation“ wie ihn die Medien nennen. Er ist ja auch wirklich eine verdammte Abwechslung zu anderen Politikern. Wir hatten ohnehin schon genug Langweiler an der Macht und wer hat bestimmt, dass Präsidenten immer Hosen tragen und Manieren haben müssen? Der Präsident nennt den Wechsel des politischen Klimas „ordinäre Revolution“! Er behauptete einmal, dass er eines seiner Kinder verspeist habe. Seitdem heißt eines seiner Propaganda-Sprüche, die im ganzen Land plakatiert sind „die Revolution frisst ihre eigenen Kinder“!
Obwohl seine Reden langweilig sind, sieht oder hört sie sich jeder Staatsbürger an, denn es steht so in der neuen Verfassung und auf Missachtung der Verfassung steht die Todesstrafe für den ganzen Bekanntenkreis. Seit der neuen Justizreform ist dies möglich. Es gibt nur kollektive Strafen, denn laut Paragraf 4 Absatz 2 wirft man, wenn man im Obstkorb einen verfaulten Apfel findet, auch nicht nur den verfaulten, sondern auch die rundherum liegenden Äpfel weg. Wenn jemand zum Beispiel das Briefgeheimnis verletzt wird der ganzen Familie die Nase abgehackt, denn laut Gesetz darf man seine Nase nicht in fremde Angelegenheiten hineinstecken. Diese Strafe gilt auch, wenn man nicht die eigenen Taschentücher verwendet.
Nach den Ansprachen des Präsidenten werden alle Bürger in die örtliche Polizeistation geladen und inhaltlich geprüft.
„Jedenfalls unternahm ich letztens einen langen Marsch zu einem chinesischen Restaurant. Ich bestellte irgend so ein komisches Huhn, denn es stand dabei, dass es verboten gut ist. Und ich muss sagen, dass es nicht nur verboten gut, sondern auch sehr groß war, deshalb verstopfte ich noch am selben Tag mein Klo mit einem rindesken Scheißhaufen. Auf diese Magenverstimmung hin habe ich einen Scherzanruf bei der chinesischen Botschaft getätigt. Und bevor ich nun schließe, bestimme ich jetzt noch schnell die Lottozahlen: 1, 2, 3, 4, 5, 6! Was für ein Zufall! Die Zahlen, die ich mir gerade ausgedacht habe, habe ich auch auf meinem Schein getippt. Ich Glückspilz habe den Doppel-Jackpot geknackt! Das gewonnene Geld werde ich sofort in Regenschirme investieren! So, das war es mit der Rede. Ich muss jetzt wieder kacken! Pardon! Scheißen!“

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Geschrieben von Übel in: Kurzgeschichten | Tags:, , , , - 2 Hits

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